Unser Verein - der OCV

Es waren einmal in unserem Städtchen Orlamünde viele mutige und wackere Gesellen, die kämpften mit Wasser gegen Feuer das ganze Jahr. Dabei waren sie einmal so schnell, daß sie im Königreich, das damals von Mauern und Stacheldraht zu ihrem Schutz umgeben war, den 3. Platz unter vielen anderen Feuerkämpfern belegten. Doch einmal im Jahr hatten sie das ewige Spiel des Feuertanzes satt, zogen sich bunte Gewänder an, setzten Perücken und Hüte auf und feierten ein großes, närrisches Fest im Hause der Ratsherren und nannten es Kameradschaftsabend. Dabei verunstalteten sie mit Dekoration und obszönen Bildern den Versammlungsort der hohen Herren derart, daß sich ein Ratsherr von Orlamünde weigerte an solchem Orte die Worte von Marx und Lenin zu predigen. Unbeirrt dessen schafften die mutigen Gesellen alles heran was glänzt und glitzert, in dem so tristen und grauen Land und schufen damit einen wahren Narrenpalast. Doch sie hatten stets nur alleine Freude daran, weil das gemeine Volk davon ausgeschlossen war. Eines Tages erkannten einige Helden die Gesetze der planmäßigen Marktwirtschaft und öffneten sodann den Narrenpalast für alle Schichten des Volkes. Doch wie so mancher Plan, ging es das 1. Mal schief und es herrschte große Ratlosigkeit. Doch Mut und Risikofreude wurden belohnt und der 2. Versuch, ein Jahr später führte zum großen Erfolg. Man schrieb das Jahr 1972. Sie kannten fortan nur noch 3 Begriffe: Orden, Carneval und Vergnügen, kurz OCV und erklärten das Narrenleben zur hauptsächlichsten Nebensache der Welt und ihrer Stadt.
Dabei bekamen sie auch noch Wohlwollen und so manche Gabe von Gleichgesonnenen aus dem nahegelegen Duhlendorf an dem Flusse Orla mit auf den Weg. Diese grüßten sich immer mit Krah, krah, krah und die Orlamünder suchten sich daher auch so einen Ruf. Nach langem Überlegen übernahmen sie den Schlachtruf der Narren vom Flusse Rhein und riefen sich fortan Orlamünne - Helau zu.
In den nächsten 13 Jahren trieben sie so allerhand Schabernack:
Sie setzten als ersten einen wohnungssuchenden Polen, namens Kaczmarek hinter ein Faß, daß sie Bütt nannten. Später verkleideten sich zwei angesehene Bürger dieser Stadt als Frau Fröhlich und Herr Schön und sangen immer das gleiche Lied von der Leitung, die da nicht in Ordnung sein sollte. Dann kam Rolando Rolandino, ein frivoler Künstler aus dem Nachbaranwesen Freienorla, trieb's mit den Hühnern und tanzte mit einer Puppe Namens Beata Uhsa, die er aus dem fernen Königreich Bayern über die Grenze schmuggelte.
Till Eulenspiegel weilte auch unter diesen Narren und hielt den Königen und Ratsherren den Spiegel vor. Das gefiel so manchem nicht, so daß sie ihn nach der Stadt Jena in ihre Feste brachten und er Abbitte leisten sollte. Doch der Till war schlau und listig, weil er seine Worte so gut wählte, daß niemand ihm was antun konnte. Auch der oberste Ratsherr dieser Stadt beteiligte sich an diesem Treiben, was ihm seine späteren Thronfolger gleich taten, was zur Folge hatte, daß das Haus der Ratsherren in dieser Jahreszeit für die Narren reserviert wurde.
Die Bütt zog somit manche Schelme an, die aus ihr heraus ans Volk predigten.
Es kamen Hausmann, Doppeljubilar, Urlauber, Kleingärtner, Ehemann, Ehefrau, Eigenheimbauer, Stammtischler, Professor, Indianer, Angler, Feuerwehrmann, Feuerwehrfrau, Hofnarr, Weihnachtsmann, Beamter, Tierpfleger, Musiker, BH-Sachverständiger, Sportreporter, Nachrichtenleser, Hundeführer, Doktor, Landwirt, Ölscheich, Umweltschutzwart, Psychiater, Lehrer und viele andere.
Doch nicht nur weise Sprüche sollten das Volk unterhalten, sondern auch der Gesang. Wir können uns noch gut an die „Lustigen Brüder" oder die Bänkelsänger erinnern. 
Ständig waren die mutigen Gesellen, die sich ja nun Narren nannten, auf der Suche nach schönen Jungfrauen, die sie für sich und das Volk tanzen ließen. Sie nannten sie Funkengarde und Ballett. 
Doch die Jungfrauen hier in der Gegend wurden sehr schnell rar, so daß die Narren sehr früh anfingen, sich selbst im Tanz zu probieren. Das führte dazu, daß es fortan ein Männerballett gab. 
Herausragende Namen in dieser Epoche waren Hädrich, Reiner, der erste Anführer,
Busch, Karl, der aus dem „Nichts" die Dekoration zauberte, Schweiger, Klaus, der immer die richtigen Worte fand, Bräuning, Dieter, der Erste in der Bütt und „Lustiger Bruder" und viele, andere Helden, Mitläufer und Anhänger, die auch heute noch dem Carneval treu geblieben sind und in diesem Märchenbuch genannt werden.
Nach 10 Jahren Machtkampf um die Spitzenfunktionen der glorreichen Elf, die das Narrendasein anführten, wurden einige müde des närrischen Treibens. Ehen wackelten und so mancher mußte den Medizinmann aufsuchen, weil er dem Met verfallen war. 
Drei Jahre später war die Verjüngungskur vollzogen. Die Feuertänzer kehrten zu ihren Feuern zurück und die Narren blieben. 
„Orlamünde, wie es singt und lacht" hieß es, Karneval ist Meins, und neue Leute kamen, die das Handwerk des Narrendaseins erst lernen mußten. Doch zum Erstaunen des Volkes wurden sie von Jahr zu Jahr besser und bekamen auch immer wieder neuen Zuwachs. 
Doch eines Tages zerfiel das Königreich, daß von Mauern und Stacheldraht umgeben war und die Narren machten sich ein letztes Mal so richtig über ihren König und seine Fürsten lustig. 1. Karneval der neuen Zeit nannten sie diese Kampagne, in der es um abgehackte Hände, Mauerspechte und Reisefieber ging. Selbst Abgesandte aus dem Königreich Bayern nahmen erstmals an solch närrischem Treiben teil und staunten, daß es so was im Königreich
Ostgermanien gibt.
Die Narren ließen sich nun als Verein bei Gerichte eintragen und vom Fiskus wurden sie wegen ihrer Volksverbundenheit von der Steuerlast des neuen Königreiches befreit.
Es folgten Jahre der Unsicherheit und des Zweifels im vereinigten Königreich von Ost- und Westgermanien. Das Volk hatte plötzlich andere Interessen und die Narren wußten nicht mehr so richtig über wen sie ihre Witze machen sollten. Doch ihre närrische Ausdauer zahlte sich aus und sie lockten das Volk so nach und nach wieder von ihren Alltagssorgen weg, um sie im Narrenpalast vergnüglich zu stimmen.
So gingen weitere Jahre ins Land. 
Die Narren trieben fleißig, gemeinsam mit dem Strohbär den Winter aus, boten auf dem weihnachtlichen Markt ihre Waren feil und feierten vergnüglich den letzten Tag im Jahr.
Sie trafen sich mit vielen Gleichgesinnten und feierten gemeinsam ihre Jubiläen.
Orlamünder Originale, Vier Fantastische, Kinder aus der Region und die Orlamünder Stadtmusikanten, die sich „Zwecklos" nennen, fanden in den letzten Jahren den Weg zu den Narren. Nahezu 200 weibliche und männliche Narren aus Orlamünde und Umgebung brachten sich direkt oder indirekt in den 40 Jahren beim Orlamünder Carneval ein. 

...................und wenn sie nicht gestorben sind, dann feiern sie heute ihr 40. Narrenjubiläum und bleiben ihrer Tradition und dem Orlamünder Carnevals Verein e.V. treu bis an ihr Lebensende.............und da kann ja noch allerhand passieren.

Orlamünne - Helau !